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Geschichte

Am 1. Juli 2021 besteht das Haus Otto Elsner / Druckerei und Verlag 150 Jahre. Es begann damit, dass der Setzer und Drucker Otto Elsner 1871 am Moritzplatz in Berlin mit zwei Pressen und einem Dutzend Mithelfer eine Druckerei eröffnete. Der Betrieb wuchs sprunghaft und errang bereits anlässlich der Gewerbeausstellung 1879 den großen Ehrenpreis für besondere drucktechnische Leistungen.

Otto Elsner

Der Gründer: Otto Elsner

1887 kam – als gesonderte Abteilung – der »eigene« Verlag hinzu, der sich schon binnen kurzem auflagenstarker Zeitschriften erfreuen durfte. Die »Bahnmeister-Zeitung«, die »Schlosser-Zeitung« und die »Concerthaus-Zeitung« sind einige Beispiele. 1897 wurde ein Neubau in der Oranienstraße bezogen. Als Otto Elsner 1910 starb, wusste er, dass sein Werk in den Händen seiner drei Söhne weiter wachsen und gedeihen würde. 1914 wurde das neue repräsentative »Elsnerhaus« eingeweiht. Die denkmalgeschützten Reste der massiven Fassade stehen noch heute in der Oranienstraße 140 – 142.

Druck- und Verlagshaus

Unser früheres Druck- und Verlagshaus in Berlin, Oranienstr. 140 – 142

Viele Zeitschriften aus den Bereichen Gewerbe, Industrie und Kultur zählten damals bereits zum Verlagsprogramm: z. B. »Centralblatt der Walzwerke«, »Der Papier-Fabrikant«, »Die Welt der Technik«, »Die Deutsche Technik«, »Das Metall«, die »Eisen-Zeitung«, die »Deutsche Arbeitgeber-Zeitung«, die »Deutsche Industrie-Zeitung«, »Das Baugewerbe«, »Der Bahn-Ingenieur« u. a. Die beiden zuletzt genannten Titel waren der Anfang neuer Verlagszweige, mit denen sich Elsner insbesondere auf den Gebieten des Bauwesens und des Verkehrswesens einführte. Bei Elsner erschienen später auch die Zeitschriften »Großdeutscher Verkehr«, Organ der Wissenschaftlichen Vereinigung für Verkehrswesen e. V., »Die Reichsbahn«, Amtliches Nachrichtenblatt der Deutschen Reichsbahn, das »Reichsbahn-Anschriftenbuch« sowie die Zeitschrift »Die Bauindustrie«, Organ der Wirtschaftsgruppe Bauindustrie, und das Reichs-Adressbuch »Deutschlands Baugewerbe« u. a. Zu erwähnen wären auch Elsners-Gießerei-Fachbücher sowie die älteste Gießerei-Fachzeitschrift »Gießereipraxis« sowie das »Gießerei-Taschen-Jahrbuch«.

Aus der umfangreichen Bau-Fachliteratur, die in Zusammenarbeit mit der Bauwirtschaft entwickelt wurde, sollen nur genannt werden »Der Betonbauer«, die Hefte zu »Bautechnik – Bauwirtschaft«, die Schriftenreihe »Fortschritte und Forschungen im Bauwesen« sowie aus der arbeits- und tarifrechtlichen Literatur »Elsners Tarifsammlung für das Baugewerbe«, die Vorläuferin der heutigen »Tarifsammlung für die Bauwirtschaft«.

In Jahrzehnten erschienen bei Elsner auch Beiträge aus den Bereichen Literatur und Belletristik. Erwähnt werden können die «Goethe-Briefe» und die Sammlung «Eduard-Mörikes Briefe» sowie die Geschichte der Deutschen Schauspielkunst von Eduard Devrient in zwei Bänden u. a. Die Förderung der Theaterliteratur entsprang einer besonderen Vorliebe für Theater und Schauspielkunst. So war Dr. Georg Elsner Gründer der «Gesellschaft für Theatergeschichte» und Gründer, Herausgeber und Förderer der Zeitschrift «Bühne und Welt», Zeitschrift für Theaterwesen, Literatur und Musik. Auch die «Philharmonie-Concert-Zeitung» wurde bei Otto Elsner gedruckt und betreut. Seit 1901 erscheint mit einer Gesamtauflage von 730.000 Exemplaren «Die Zehnte Muse», Dichtungen vom Brett’l und fürs Brett’l.

Erwähnt werden soll auch die Übernahme hochqualitativer Druckaufträge: Portrait Reichspräsident Generalfeldmarschall von Hindenburg, in der Inflationszeit in Kooperation mit der Reichsbank unter strengster Kontrolle aushilfsweise der Druck von Banknoten, während des 2. Weltkrieges der Druck von detailliertem Kartenmaterial für das OKW u. a.

1886 arbeiteten bei Elsner in Druckerei und Verlag 40 Mitarbeiter und 7 Maschinen. 1921 waren es fast 1000 Mitarbeiter und 100 Maschinen, 1936 über 1000 Beschäftigte und über 140 Anlagen, die allein 40 Zeitschriften druckten.

Steil war der Aufstieg des Unternehmens, ebenso tief aber auch der Abgrund, in den das Werk durch den 2. Weltkrieg stürzte. Auf eine totale Zerstörung sämtlicher Betriebsanlagen und Archive folgten die politischen Begleitumstände, die die zuerst von den Sowjettruppen besetzte und später viergeteilte Reichshauptstadt kennzeichneten. Die Beschlüsse des alliierten Kontrollrates erlaubten kein Anknüpfen an die alte Tradition, sondern führten vielmehr zu einer Entflechtung und damit weitgehenden Zersplitterung der ohnehin kaum noch vorhandenen Basis. Das Schicksal schlug vor allem die Unternehmerfamilie in unfassbarer Weise. Auf lange Zeit war an eine Wiederaufnahme der Verlagstätigkeit nicht zu denken. Dr. Georg Elsner, der nach dem Tode seiner beiden Brüder Erich und Wilhelm Elsner als Nestor der Elsner-Unternehmen, Geschäftsführer der Otto Elsner Verlags-G.m.b.H. und des Verlags der Deutschen Arbeiterzeitung G.m.b.H., Vorstandsmitglied der Otto Elsner Buchdruckerei und Verlagsbuchhandlung Kom.-Ges., der Gutenberg-Druckerei- und Verlags-G.m.b.H. und der Elsner-Haus-A.-G., trotz Zerstörung der Betriebsanlagen und Auflösung des Betriebes nicht aus Berlin floh, wurde beim Einmarsch der Truppen zusammen mit seiner Frau und allen Hausangestellten nach Plünderung aus dem Haus in der Königsmarckstraße deportiert. Niemand konnte in dieser Zeit verhindern, dass die typisch Elsnerschen Verlagsprodukte nun von ehemaligen Mitarbeitern und von anderen Verlegern unter ähnlich klingenden Namen hergestellt und vertrieben wurden. Auch neue Verlage entstanden und betätigten sich auf Gebieten, die früher vom Haus Elsner betreut worden waren.

Erst 1953 glückte Eberhard Elsner in bescheidenem Maße ein neuer Anfang. Man hatte sich arrangiert: Die neue selbständige Nachfolge-Druckerei Elsnerdruck, deren Unternehmensgeschichte hier nicht dargestellt werden kann, blieb in Berlin in der Lützowstraße und wurde später von Bertelsmann übernommen, während der Verlag in Darmstadt im graphischen Viertel mit verbliebenen Elsner-Verlagsobjekten neu startete. Herausragende Zeitschriften-Projekte waren die Zeitschriften TRENDS – German Engineering als Export-Zeitschrift, EUROPA-VERKEHR und bauma-TRENDS.

Zum hundertjährigen Firmenjubiläum 1971 wurde die Otto Elsner Verlagsgesellschaft für ihre Verdienste mit der Bronzenen Verdienstplakette der Stadt Darmstadt geehrt.

1976 kamen Eberhard Elsner und seine Frau bei einem tragischen Verkehrsunfall ums Leben. Der Verlag wurde von der einzigen überlebenden Tochter, Renate Rudl, übernommen und zusammen mit kreativer und tatkräftiger Unterstützung ihres Ehemannes Dr. Franz G. Rudl weiter ausgebaut.

1991 folgte der Teilumzug des Verlages von Darmstadt nach Dieburg in neue eigene Verlagsgebäude. In Darmstadt, Berlin (1996) und München (1999) existieren Braintrusts / Innovations-Zentren für Autoren und neue Problemfelder.

Die Otto Elsner Verlagsgesellschaft ist heute der legitime Nachfolger und Namensträger und wird in 4. und 5. Generation fortgeführt.